111AUSBLICK KONZERNLAGEBERICHT sorgung aufzubauen, erreichen wir vornehmlich über Akquisitionen und Kooperationen. Beim externen Wachstum setzen wir unverändert auf unsere Doppelstrategie »Kompetenz und Verlässlich- keit bei Akquisitionen« sowie »Qualität vor Quanti- tät«. Wir werden daher jede medizinisch und zugleich wirtschaftlich sinnvolle Gelegenheit zum Ausbau unseres Versorgungsnetzes nutzen. Wir streben ein deutliches Umsatzwachstum durch Krankenhaus- übernahmen an und wollen zugleich die Einrichtung von Medizinischen Versorgungszentren (Facharzt- MVZ), den Bau von Portal-Kliniken und den Ausbau von Kliniken durch Akquisitionen und Kooperatio- nen vorantreiben. Perspektivisch streben wir einen Marktanteil von 8 % im deutschen Krankenhausmarkt an. Jeder Patient in Deutschland soll in einer Fahrzeit von ein bis zwei Stunden eine unserer Gesundheits- einrichtungen erreichen können. Wir werden den Wissenstransfer von den Universi- tätskliniken Gießen und Marburg, dem Herzzentrum Leipzig sowie den weiteren Wissenschaftsstandorten zu unseren anderen Kliniken weiter fördern. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, die Eingang in Diag- nose- und Therapieverfahren gefunden haben, sollen schnellstmöglich allen unseren Kliniken zugänglich gemacht werden. KONJUNKTUR UND RECHTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN Im Jahr 2010 gehen wir davon aus, dass die Talsohle der Rezession 2009 in Deutschland erreicht ist und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf diesem Niveau gehalten oder ganz leicht gesteigert werden kann. Dabei wird es entscheidend darauf ankommen, dass die konjunkturellen Stützungsmaßnahmen des Jahres 2009, die schrittweise in 2010 auslaufen, durch eine selbsttragende konjunkturelle Entwicklung ersetzt werden. Hierzu ist es erforderlich, dass nicht nur die Inlandsnachfrage in etwa auf dem Niveau von 2009 gehalten wird, sondern auch der Export wieder einen deutlichen Aufschwung nehmen kann. Auf dem Arbeitsmarkt rechnen wir mit einem leich- ten Rückgang der Beschäftigung. Gleichzeitig wird sich das Steueraufkommen aufgrund nachlaufender Effekte des konjunkturellen Rückgangs in 2008 und der ab 2010 zum Tragen kommenden Steuerentlas- tungen deutlich vermindern. Bei demgegenüber deut- lich steigenden Ausgaben zur Bedienung der schul- denfinanzierten Konjunkturprogramme sowie zur Finanzierung sozialer Ausgaben wird sich nach unse- rer Einschätzung die Staatsverschuldung deutlich er- höhen. Bezüglich der Zinsentwicklung sehen wir zu- mindest für die ersten zwei Quartale in 2010 keinen Anstieg, wobei die Aufschläge auf Zinsen zur Einprei- sung von Bonitätsrisiken des Schuldners weiterhin relativ hoch sein werden. Für den Bereich des öffentlichen Gesundheitswesens veranschlagen wir auf der Leistungsseite die Fort- setzung des mehrjährigen Trends, wonach allein der demographischen Entwicklung geschuldet die Nach- frage nach ambulanten und stationären Gesundheits- dienstleistungen weiter kontinuierlich um rund 1 % bis 2 % steigen wird. Die Einnahmen des Gesundheits- systems setzen sich in 2010 aus Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteilen zur Sozialversicherung, aus erst- mals berechneten Zuzahlungen der Versicherten und aus staatlichen Zuweisungen zum Gesundheitsfonds zusammen. Gegenwärtig werden bereits Fehlbeträge gegenüber den erwarteten Ausgabenvolumen in Höhe von etwa 4 Mrd. diskutiert. Dies bedeutet, dass auch im Geschäftsjahr 2010 die Preise für Leistungen nur unterproportional steigen werden und damit der Wett- bewerbsdruck auf der Seite der Anbieter, wie in den letzten Jahren auch, kontinuierlich weiter zunimmt. Auf der Ausgabenseite zeichnen sich massive Steige- rungen der Personalkosten ab, die aus real sinkenden Preisen nicht refinanzierbar sind. Soweit Krankenhäu- sern keine Effizienzpotenziale mehr zur Verfügung ste- hen, wird sich der ohnehin bestehende Ergebnis- und Margendruck dadurch weiter erhöhen. Der Fortbe- stand einer Vielzahl von öffentlich-rechtlichen, frei- gemeinnützigen und privaten Krankenhäusern wird davon abhängen, wie weit diese in der Lage sind, Defi- zite entweder aus noch vorhandenen Liquiditäts- und Kreditreserven oder aus Einlagen ihrer Träger bzw. Gesellschafter abzudecken. Bei der öffentlichen För- derung von Krankenhausinvestitionen gehen wir auch für 2010 nicht von nennenswerten Erhöhungen aus. Zu einem Abbau des mit ca. 50 Mrd. zu beziffernden Investitionsstaus wird es nicht kommen. Als Folge der mangelnden Investitionsfähigkeit wird vielen Kranken- häusern die Möglichkeit verschlossen bleiben, Effizi- enzpotenziale mit Hilfe von Rationalisierungsinvestitio- nen zu heben.
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