11VON CHANCEN, ÄNGSTEN UND ERFOLGSGESCHICHTEN »MARKT & UNTERNEHMEN« nungssysteme gestaltet. Und dieser Prozess ist in vollem Gange. Doch Bürgermeister und Landräte wissen, dass ihre Krankenhäuser ein hochsensibles Thema sind ­ ver- ständlich, denn es geht um die Gesundheit ihrer Bür- gerinnen und Bürger. Wer sie antastet, riskiert den Konflikt mit dem politischen Gegner, mit Gewerkschaf- ten und Klinikmitarbeitern, mit Interessengruppen und sogar mit Vertretern der Kirchen. Ein nicht immer von der Sache bestimmtes Mixtum aus Idealismus und Parteitaktik, aus Zukunftsängsten der Bürger, Sorgen der Beschäftigten um Arbeitsplätze und Einkommen, politischem Opportunismus und kollegialer Anteilnah- me niedergelassener Ärzte umgibt manch öffentliches Krankenhaus wie ein unsichtbarer Schutzschirm. Dieser Schirm verhindert häufig einen objektiven Blick auf die tatsächliche Situation. Denn was gibt es zu schützen? Gute Medizin, ja! Aber auch die Sechs- bettzimmer, die unnötig weiten Wege für das Perso- nal, die veraltete Röntgenstation, die seit Jahren auf neue Geräte wartet? Natürlich gibt es auch im kom- munalen Bereich moderne, gut ausgestattete und vernünftig organisierte Kliniken. Doch je weniger Geld zur Verfügung steht, umso mehr Krankenhäuser sind dem ­ im günstigsten Fall langsamen ­ Niedergang preisgegeben. Viele rutschen in die roten Zahlen. Das Geld für Investitionen in neue, moderne Tech- nik und damit in die Verbesserung der medizinischen Leistungen für die Patienten fehlt mittlerweile an nur allzu vielen Standorten. Bei näherem Hinsehen sollten sich die Ängste ver- flüchtigen. Denn es gibt viele gute Argumente für die Krankenhausprivatisierung. Schließlich gibt es zahlreiche kompetente wie solvente Betreiber, die ihre jahrelange Expertise zum Wohle der Patienten einsetzen. In Deutschland löst es aber immer noch moralische Bedenken aus, wenn ein solcher privater Klinikbetreiber mit seiner Arbeit Geld verdient. Dabei wird völlig ausgeblendet, dass der größte Teil dieser Mittel der Medizin und der Ausstattung der Kliniken unmittelbar wieder zugutekommt. Im Übrigen ist je- der niedergelassene Arzt auch ein Unternehmer, der Gewinne macht ­ wie die Kliniken in privater Hand. Ein völlig normaler Vorgang. Schon heute wissen die Mitarbeiter vieler öffentlich- rechtlicher Kliniken, was in ihren Häusern falsch läuft. Wäre dieses Wissen einfach umzusetzen, hät- ten es die Träger und Manager der Krankenhäuser längst getan. Allerdings setzt der Staat einen Rah- men, innerhalb dessen es langwieriger und schwieri- ger ist, den Weg zur Wirtschaftlichkeit einzuschlagen. So können private Klinikbetreiber bei der Rationali- sierung der klinischen Abläufe, ohne die eine Rück- kehr zur Wirtschaftlichkeit unmöglich erscheint, viel flexibler agieren. Das Ziel dieser Rationalisierung ist überaus sozial: hohe medizinische Qualität weiterhin für jedermann finanzierbar zu machen. Mit den orga- nisatorischen Maßnahmen ist es jedoch meist nicht getan. Auch die baulichen und technischen Struktu- ren bedürfen häufig der Anpassung. Ohne Investiti- onen drohen Kompromisse, die den Erfolg einer Sa- nierung zumindest einschränken. Gerade an dieser Stelle kommen die öffentlich-rechtlichen Träger oft nicht weiter, weil Geldmangel oder andere Hemmnis- se den Weg blockieren. Aber selbst, wenn eine Sanierung gelingt, bleibt vie- len Häusern das Thema der Investitionen erhalten. Denn die Sanierung zielt zumeist nur darauf, die De- fizite im laufenden Betrieb in den Griff zu bekommen. Die Deckung der operativen Kosten allein bedeutet immer noch Stagnation der Klinikentwicklung. Soll ein Krankenhaus für seine Patienten attraktiv, sprich: voll leistungsfähig bleiben, muss es dem medizini- schen und damit auch dem technischen Fortschritt folgen ­ in Diagnose, Therapie und Pflege. Das kostet nun einmal Geld. KLINIKUM HERZBERG 254 Betten 516 Mitarbeiter 31.957 behandelte Patienten in 2009 Krankenpflegeschule Akademisches Lehrkrankenhaus der Georg-August-Universität Göttingen Chirurgie, Innere, Onkologische Ambulanz, Gynäkologie und Geburtshilfe, Anästhesie und Intensivmedizin
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